Sonderausstellung

Sonderausstellung: Mit Schwert & Kreuz - Karl der Große - Sachsen & die Eresburg

Mit Schwert und Kreuz - Karl der Große - Sachsen und die Eresburg

19. August - 18. Dezember 2022

Im Jahre 772 eroberte Karl der Große die Festung der Sachsen auf dem Eresberg, dem heutigen Obermarsberg und zerstörte die Irminsul, das Nationalheiligtum der Sachsen. Wenige Jahre später ließ er dort eine steinerne Basilika und das Benediktinerkloster errichten. Dieses Ereignis war der Startschuss für die Christianisierung und einen umfassenden Kulturwandel unserer Region. Dieser  karolingische Siedlungsansatz entwickelte sich im 13. Jhd. zu einer Stadt.

Die Ausstellung „Mit Schwert und Kreuz – Karl der Große – Sachsen und die Eresburg“ ist vom 19. August bis 18. Dezember 2022 im Museum der Stadt Marsberg in Obermarsberg zu sehen. Eine Gruppe von Historiker/innen hat die Ausstellung unter Leitung des Museums der Stadt Marsberg konzipiert. Begleitend werden dazu Vorträge und museumspädagogische Programme angeboten.

Die Themen der Sonderausstellung

Um 500 entstand das Fränkische Reich. Dem Merowinger Chlodwig gelang es, rivalisierende fränkische Teilkönige zu besiegen und die alleinige Herrschaft anzutreten. Er und später seine Söhne erweiterten das Reich in mehreren Kriegen. Es umfasste schließlich das Gebiet des heutigen Frankreichs, Belgiens, der Schweiz und reichte im Osten bis nach Thüringen und im Südosten nach Bayern. Die bedeutendsten Teilreiche waren im Osten Austrasien und im Westen Neustrien, die zusammen die Francia bildeten. 

Das Frankenreich im 7. Jahrhundert

Während sich der äußere Einfluss der Merowinger stetig erweiterte, schwand er im Inneren. Im Laufe des siebten Jahrhunderts verlagerte sich die tatsächliche Macht in den Teilreichen zu den so genannten Hausmeiern (Leitern der königlichen Hofhaltung und der Domänen), in deren Familien das Amt bald erblich wurde. Ab 687 regierten die austrischen Pippiniden (Karolinger) faktisch das Gesamtreich, während die teils kindlichen Merowinger – Könige ein Schattendasein fristeten. Großen Ruhm erlangte der Karolinger Karl Martell, ein Sohn Pippin des Mittleren. Er – und nicht der merowingische König – schlug 732 zwischen Tours und Poitiers die aus Spanien vordringenden islamischen Araber. Im Innern des Frankenreiches förderte Karl Martell vor allem den angelsächsischen Missionar Bonifatius, der im päpstlichen Auftrag wirkte. So wuchsen der Einfluss der Karolinger und der Päpste im Frankenreich gleichermaßen.

751/52 schließlich ging die fränkische Königswürde mit Hilfe des Papstes an den Hausmeier Pippin den Jüngeren über, den Vater Karls (des Großen). Pippin setzte den letzten merowingischen König ab, ließ sich von den Franken zum König erheben und drei Jahre später vom Papst salben. Damit galt Pippins Königswürde als Zeichen eines göttlichen Auftrags. 771 fiel die Alleinherrschaft im Fränkischen Reich Karl (dem Großen) zu.

Aufgrund der Größe des Frankenreichs war es nicht möglich, dieses von einem festen Ort aus zu regieren. Karl reiste mit seiner Familie und seinem Gefolge, oft mehrere hundert oder sogar tausend Personen, durch das Reich, um seine Aufgaben als König zu erfüllen, die Treue seiner Grafen und Bischöfe zu kontrollieren sowie die Grenzen seines Reiches mithilfe von Kriegen zu festigen. Die Reisen des Königs warfen große logistische Probleme auf. Das Reisekönigtum war ohne eine funktionierende Kommunikation in Form von Gesandten unmöglich.

Reisen waren beschwerlich, denn feste Straßen gab es kaum. Die Hauptverkehrsstraßen waren einstige Römer- und Staubstraßen. Schiffbare Flüsse sowie Brücken, Fähren und Furten ergänzten das Verkehrsnetz. In Marsberg war das Verkehrsnetz zu Zeiten Karls des Großen gut ausgebildet. Rund um den Eresberg kreuzten sich mehrere Handelswege.

Handelswege

Das heutige Verkehrsnetz orientiert sich größtenteils noch an den Handelsrouten der Karolingerzeit.

Pfalzen waren besonders ausgebaute und befestigte Königshöfe, die dem König und seinem Gefolge zur Unterkunft und Versorgung dienten, z. B. die Karlsburg (Urbs Karoli) im heutigen Paderborn. Der König besuchte die Pfalzen nicht nur aus politischen Gründen, sondern auch zur Versorgung seiner Familie und seines Gefolges.

In den Reichsannalen wird die Eresburg mehrmals als Aufenthaltsort von Karl erwähnt. Demnach soll er mindestens sechsmal die Eresburg auf seinen Reisen besucht haben und in den Jahren 784/85 dort sogar den ganzen Winter verbracht und das Osterfest gefeiert haben. In der heutigen Forschung wird die Eresburg als eine unvollendete Winterpfalz bezeichnet, in der für den König, seine Familie und sein Gefolge Unterkünfte errichtet wurden.

Mit der fränkischen Eroberung setzte sich in Sachsen die klassische zweigeteilte Grundherrschaft, auch Villikation genannt, durch. In ihrem Mittelpunkt lag ein Salhof (Herrenhof) mit dem dazugehörenden Salland. Dieses wurde mit Hörigen (Eigenleuten) und abhängigen Bauern bewirtschaftet. Den letzteren wurde ein Hof mit Land in der Größe einer Hufe (maximal zehn Hektar) für den Eigenbedarf übertragen. Dafür mussten sie in der Regel drei bis vier Tage pro Woche Fronarbeit auf dem Salhof und Abgaben leisten. Der Grundherr war ebenfalls Schutz-, Gerichts- und Kirchenherr.

Bedeutend waren die Königshöfe. Sie dienten vordringlich der Versorgung des reisenden Königs und seines Hofstaats. Die Verwaltung dieser besonderen Höfe war in der Landgüterverordnung König Karls, im „Capitulare de villis“ (um 795) geregelt.

Unterhalb des Eresbergs entstand im späten 8. Jahrhundert ein Wirtschaftshof, Horohusen. Er und die ihm zugeordneten Höfe des Umlandes versorgten die fränkische Besatzung und das Kloster auf dem Berg. Es ist anzunehmen, dass es sich aufgrund der strategischen Bedeutung der Eresburg und der wichtigen Verkehrslage sogar um einen Königshof handelte.

Die Lebensumstände der Bauern waren auch im Umfeld der Eresberges hart. Instabile Niederschlagswerte, kühle Sommer und kalte Winter, das bewegte Relief und weitgehend unfruchtbare Böden prägten die Landwirtschaft. Nur die Böden auf kalkhaltigem Zechstein auf der Marsberger Hochfläche wurden ackerbaulich genutzt. Von daher ist anzunehmen, dass die Versorgung König Karls und seines Gefolges bei seinen sechs Aufenthalten auf dem Eresberg ein echtes Problem gewesen sein dürfte.

Der Text zu diesem Thema ist noch in Bearbeitung

772 eroberte der fränkische König Karl die sächsische Eresburg und zerstörte mit der Irminsul ein bedeutendes heidnisches Heiligtum. Dies war der Auftakt für die über 30 Jahre dauernden Sachsenkriege.

Ab 776 setzte sich bei Karl die Einsicht durch, dass nur eine politische Eroberung und vor allem die Missionierung die Sachsen auf Dauer befrieden konnten. Dabei handelte es sich um die erste Schwertmission der Geschichte. Da die sächsischen Fußkrieger dem fränkischen Heer, vor allem den fränkischen Panzerreitern, militärisch unterlegen waren, führten sie einen Guerillakrieg. Die Sachsen zerfielen in eine Vielzahl von Stämmen, die nur getrennt gegen die Franken kämpften. Diese gingen mit äußerster Brutalität vor. Es erfolgten beispielsweise Zwangstaufen. Ein wichtiges Missionsinstrument wurde das sächsische Taufgelöbnis. Der Täufling musste dem Teufel, allen Teufelswerken und den heidnischen Göttern widersagen. 782 kam es zu einer Massenhinrichtung von aufständischen Sachsen. Karl begann auch mit seiner Deportationspolitik. Vor allem in der berüchtigten „Capitulatio de partibus Saxonae“ zeigte sich die fränkische Vorgehensweise. Es war eine Verordnung, die jeden mit dem Tod bestrafte, der heidnische Riten befolgte und die christliche Religion missachtete, Die Kämpfe ebbten erst ab, als sich der größte Widersacher Karls, der westfälische Adlige Widukind, ergab und taufen ließ,

Nach einer letzten Erhebung der Sachsen (791) erließ Karl 797 eine weitere Verordnung, das „Capitulare Saxonicum“, die die Sachsen in eine neue Ordnung einband. Endgültig endeten die Sachsenkriege 804 im Norden.

In der Folge wurden die Sachsen im weltlichen wie geistlichen Bereich in das fränkische Reich integriert.

Die Eresburg stand vor allem in den ersten Kriegsjahren immer wieder im Fokus der Auseinandersetzungen. Hier wurde die erste Kirche im Sachsenland gebaut und ein kleines Kloster gegründet. Eine wichtige Rolle spielten im Marsberger Raum auch die Kupfervorkommen am Eresberg.

An der Ostwand der Stiftskirche, die in ihren Ursprüngen auf Karl den Großen zurückgeht, ist hinter dem linken Seitenaltar der Kopf Leos III. angebracht. Die Darstellung zeigt den Papst noch mit der Mitra. Erst im 13. Jahrhundert wird der Papst mit der Tiara dargestellt. Daraus lässt sich schließen, dass der Kopf Leos mit dem Umbau der Basilika zur frühgotischen Hallenkirche (1250) hier seinen Platz fand. Er könnte aber noch älter sein. Er ist ein Zeichen für die Überzeugung der Menschen, dass Papst Leo III. hier am Ort war.

Kopf Leo III. aus der Stiftskirche

Direkt am Eingangsbereich des Kirchenbezirks zu der Stiftskirche, dem ehemaligen Kloster und dem Friedhof haben die Benediktinermönche im oberen Teil des Benediktusbogens die Tiara des Papstes, heute leider schon stark verwittert, anbringen lassen als stete Erinnerung an den Besuch Leos III.

Tiara im Benediktusbogen

Am 2. Weihnachtstag799 wurde Leo zum Papst gewählt. Seine Herkunft liegt im Dunkeln und er galt als Aufsteiger und Emporkömmling. Von Anfang hatte er mit einer starken Opposition aus alten römischen Adelsfamilien zu kämpfen. Ende April 799 verübte diese Gruppe ein Attentat auf ihn, setzte ihn gefangen, beschuldigte ihn des Ehebruchs, des Meineids und der Habgier und enthob ihn seines Amtes. Mit Hilfe seines Kämmerers Albinus gelang ihm die Flucht, und unter dem Schutz der Königsboten Karls des Großen gelangte er nach Paderborn. Karl empfing ihn mit allen Ehren. Im Herbst ließ er ihn nach Rom zurückführen und setze ihn wieder in sein Amt ein. Ende des Jahres 800 zog Karl selbst nach Rom und berief ein Konzil ein, auf dem er die Aufständischen zur Rechenschaft zog, und, da sie keine Beweise für ihre Beschuldigungen vorlegen konnten, zum Tode verurteilte. Auf Bitten Leos wurden sie jedoch zu lebenslangem Exil begnadigt.

Am 1. Weihnachtstag krönte Leo III. Karl während der Messfeier zum römischen Kaiser. Leo starb im Jahre 816.

Verwandte, Freunde und Getreue bestimmten das Leben der Menschen im Mittelalter. Das Leben der königlichen Familie fand in der Öffentlichkeit statt, es gab nur wenig Raum für Privatheit.

Eheschließungen waren im Adel ein wichtiges Mittel zur Sicherung der Herrschaft. 771 heiratete Karl die schwäbische Adelige Hildegard. Sie brachte wichtige politische Verbindungen mit in die Ehe. Königin Hildegard begleitete ihren Mann die nächsten zwölf Jahre bis zu ihrem Tod 783. In dieser Zeit gebar sie ihm neun Kinder.

Ihre ostfränkische Nachfolgerin Königin Fastrada lebte 785 für einen längeren Zeitraum mit den königlichen Kindern auf der Eresburg. Sie setzte als „Mitregentin“ während der Feldzüge konsequent die Anordnungen Karls durch und spielte so eine wichtige politische Rolle.

Wahrscheinlich wohnte Karl mit seiner Familie auf der Eresburg an der Stelle des späteren Klosters neben der Peterskirche.

Die alemannischen Adelige Liutgard heiratete Karl, als ihn Papst Leo III. 799 in Paderborn aufsuchte. Als sie ein Jahr später starb, verzichtete Karl auf weitere Eheschließungen. Von einigen seiner Konkubinen sind die Namen bekannt. Damit entsprach Karls Liebesleben in keiner Weise der christlichen Eheauffassung (Matthias Becher). Karl mochte die Frauen, doch größer war seine Liebe zu seinen mindestens achtzehn Kindern.

Ein zentrales Anliegen Karls des Großen war eine umfassende Bildungsreform. Nach Karls Vorstellungen sollten die Schüler der Klosterschulen lesen und schreiben lernen. Von der Förderung der Lateinkenntnisse der Geistlichen versprach Karl sich eine Verbesserung der Reichsverwaltung. In seiner Zeit nahm die Zahl der Skriptorien in den großen Klöstern zu. Die Aufgabe der dort tätigen Schreiber war es, biblische Texte abzuschreiben. In langwieriger Arbeit entstanden dabei prachtvolle Handschriften mit aufwändigen Buchmalereien. Mit der Reform der Schrift sollte die Schrift vereinheitlicht und vereinfacht werden.  Die Einführung der sogenannten karolingischen Minuskel war dafür ein wichtiger Schritt. Neu waren dabei die Kleinbuchstaben sowie die Trennung der einzelnen Wörter.

Aus verschiedenen Teilen Europas kamen Gelehrte an den Aachener Hof Karls. Der bekannteste unter ihnen war Alkuin. Die Alkuin-Bibel sollte der maßgebliche Bibeltext im Mittelalter werden.  Alkuins Nachfolger Einhard war Karls Biograph. Karl war sehr interessiert an Astronomie und an der Berechnung der Zeit. Der Reichskalender, in dem die Zeit nach Christi Geburt gezählt wurde, hat Auswirkungen bis heute. Neben der Bildungsreform war für Karl auch die Reform des Münzwesens ein Versuch, das Frankenreich durch Vereinheitlichung äußerer Bedingungen leichter regieren zu können.

Mit dem Ende der Sachsenkriege verlor auch die Eresburg an Bedeutung, sie wurde Kloster Corvey geschenkt. Es gelang nicht, die Eresburg zu einem herrschaftlichen oder religiösen Zentrum auszubauen. Sie war nur noch von Bedeutung, wenn es wie 915 zu Herrschaftsstreitigkeiten an der Grenze kam. 938 endete der Aufstand Thankmars gegen seinen jüngeren Halbbruder König Otto I. mit Thankmars Ermordung in der Peterskirche auf dem Eresberg. Eine militärische Bedeutung erlangte die Burg erst wieder im Dreißigjährigen Krieg.

Die Sachsen waren beim Tod Karls des Großen vollständig in das Frankenreich integriert. Die Gründung von Kirchen und Klöstern sorgte sowohl für die herrschaftliche als auch die religiöse Durchdringung des Raums. Reste sächsischer Kultur finden sich seitdem nur noch in Volksrechten und Brauchtum.

Ganz anders ging man in den folgenden Jahrhunderten mit der Erinnerung an Karl den Großen um. Die Abstammung von Karl diente in Europa der Legitimation adeliger Herrschaft Kaiser Otto III., Friedrich Barbarossa und sein Enkel Friedrich II. verehrten ihn öffentlich. Es entstanden Legenden und Sagen um ihn.

Diese wachsende Verehrung und Instrumentalisierung begegnet auch in den Karlsbildern. Es finden sich Kopfskulpturen Karls und Leos in der Obermarsberger Peterskirche. Auch die Nikolaikirche in Obermarsberg besitzt eine Darstellung. Karl wurde zu einer schützenden Figur des idealen Herrschers.

Das späte Mittelalter und die beginnende Neuzeit hoben Karl als Reichsstifter in den Vordergrund. Die Gegenreformation benutzte Karl für die Darstellung des Glaubenskriegers, das 19. Jahrhundert erklärte Karl zum Deutschen, die Nationalsozialisten zum „Sachsenschlächter“. Nach dem Zweiten Weltkrieg machte man Karl dann zum Europäer. Der Aachener Karlspreis würdigt die Bemühungen um europäische Verständigung.

Karl der Große – eine unvollendete Geschichte, die jede Generation neu für sich entdecken kann.